Die negativen Auswirkungen ständiger Selbstoptimierung

Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens mit dem Arbeiten. Wie schön es da doch sein kann, sich nach einem erfolgreichen Tag einfach auf das Sofa fallen zu lassen, die Füße hochzulegen, die Gedanken schweifen zu lassen und zu entspannen. Doch genau das wird uns stetig erschwert. Zeitschriften, Blogartikel und Ratgeber suggerieren konstant, jedoch mit wechselnden Trend-Schwerpunkten, wie wichtig es sei, an sich selbst zu arbeiten. Die Dauerbrenner Ernährung und Sport sind dabei besonders beliebt. Wer alle Nahrungsmittel-Verbote beachtet, die derzeit im Internet kursieren, dem wird das tägliche Essen reichlich erschwert. Zuletzt hat der Minimalismus in allen Lebensbereichen eine Renaissance erlebt: Wir sollen minimalistisch leben, pur und natürlich essen, nichts mehr konsumieren und alles wegrationalisieren, was sich wegrationalisieren lässt. So schön und wunderbar natürlich viele dieser Ideen sind und die Lebensqualität im kleinen Maße enorm steigern können, so sehr kann man sich dadurch auch bedrängt und eingeschränkt fühlen.

 

Der To-Do-Listen-Albtraum

Die To-Do-Liste ist eine tolle Erfindung, eine Gedankenstütze, die dabei hilft den Alltag zu organisieren und verfügbare Zeit sinnvoll zu nutzen. Schwierig wird es jedoch, wenn eben jene Liste zu einem unüberwindbaren, stetig wachsenden Monstrum wird. Ein Monstrum, das immer da ist und immer beachtet werden möchte. Problematisch wird es zu entspannen, wenn man digital oder analog ohne Pause daran erinnert wird, dass der Müll noch runtergebracht, ein neuer DSL Vertrag gefunden oder der Kleiderschrank ausgemistet werden muss. Obacht also, inwieweit das Erstellen und Pflegen von Listen sinnig ist – hier gilt es die Handbremse zu ziehen, wenn sie mehr Belastung als Hilfe sind.

 

Mit besserer Technik zum besseren Leben?

Einen großen Einfluss auf unseren Alltag hat auch die rasante Technologisierung aller Lebensbereiche. Mit vielen kleinen oder großen Tools und Gadgets lassen sich Prozesse optimieren, alles wird schneller, schöner, einfacher. Doch sobald wir etwas verbessert und beschleunigt haben, rücken schon die nächsten Pflichten und Aufgaben nach. Alles wird immer mehr, anstatt dass wir die neu gewonnenen Räume freihalten und innehalten, um Erfolge auch einmal genießen zu können. Wenn dabei dann eine App mit kleinen Meditations-Tipps hilft oder eine Tasse hochwertiger Grüntee, dann ist das ebenso legitim, wie der Genuss einer ordinären Pizza oder ein absolut unrevolutionärer Fernsehabend.

 

Der erste Schritt zum Glücklichsein

Glücklicherweise scheint der Weg zur Besserung schon in Sichtweite. Gleich neben besagten Ratgebern sammeln sich die Anti-Ratgeber-Ratgeber. Oft mit einem Augenzwinkern wird darauf hingewiesen, dass Leistung nicht gleich Glück ist, dass manchmal weniger tun mehr sein kann. Ob es sinnreich ist, sich durch Ratgebern von dem Druck der Ratgeber zu distanzieren, das ist fraglich. Vielleicht ist es auch einfach ein Anfang, mal nur auf sich selbst zu hören. Denn wir kennen uns selbst am besten und wenn einmal alle anderen Stimmen ausgeblendet werden, dann kommen unsere Bedürfnisse und Wünsche ganz von allein zum Vorschein.

 

 

Bild: gzorgz/depositphotos

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