Gehaltsverhandlung: Hart bleiben lohnt sich!

3 Tipps die Ihnen doch noch zur Gehaltserhöhung verhelfen.

Sie kennen das bestimmt. Nachdem die letzte Gehaltserhöhung weit in der Vergangenheit liegt, haben Sie all Ihren Mut zusammengenommen und Ihren Chef um einen Termin gebeten. Sie sitzen gemeinsam im Büro. Blicken sich in die Augen. Ihr Chef erkundigt sich um den Grund des Termins: „Was kann ich für Sie tun?“

Das ist der Moment auf den Sie die letzten 12 Monate mühsam hingearbeitet haben. Sie haben Gas gegeben. Zusätzlich zu Ihrer Arbeit den kranken Kollegen vertreten. Das letzte Projekt haben Sie überdurchschnittlich gut abgeschlossen. Sie wissen, dass Sie eine Gehaltserhöhung verdienen.

„Ich wollte mit Ihnen über mein Gehalt sprechen…“ Bekommen Sie über Ihre Lippen.

Ihr Chef: „Was ist damit? Sie werden doch super bezahlt?! Eine Gehaltserhöhung können Sie sich abschminken. Hier verdienen alle dasselbe. Ich kann das Gehaltsgefüge nicht sprengen.“

Sie entschuldigen sich für die Störung und verlassen das Büro.

So oder so ähnlich läuft der Großteil aller Gehaltsverhandlungen ab. Der unsichere Angestellte gegen den rhetorisch geschulten Chef der die Phrasenkeule schwingt. Damit Ihnen das nicht passiert, habe ich 3 Tipps für Sie, die Ihre Chancen auf Ihre Gehaltserhöhung drastisch steigern werden.

1. Werden Sie sich über Ihren Wert bewusst

In meinen Coachings sehe ich es immer wieder. Viele Angestellte sind sich Ihrem eigenen Wert für das Unternehmen überhaupt nicht bewusst. Sie reden sich Dinge ein wie: „Ich bin nur eine Nummer. Ich habe sowieso nichts melden und mein Chef sitzt am längeren Hebel.“ Diese und andere Glaubenssätze limitieren Sie unterbewusst. Dadurch verlieren Sie die Verhandlung noch bevor Sie das Büro Ihres Chefs erreichen.

Wie wollen Sie andere von sich überzeugen, wenn Sie selbst nicht von Ihnen überzeugt sind?

Führen Sie sich Ihre eigenen Leistungen vor Augen und hinterfragen Sie diese limitierenden Glaubenssätze. Was können Sie besser als Ihre Kollegen? Haben Sie wirklich keine Macht? Warum finden dann überhaupt Mitarbeitergespräche statt? Was kostet es das Unternehmen, wenn Sie im schlimmsten Fall kündigen würden? Es gibt genügend Gründe, die Ihre Gehaltsforderung untermauern. Werden Sie sich dessen bewusst und Ihre mentale Haltung wird sich massiv verbessern. Dies ist der erste Schritt zu Ihrer Gehaltserhöhung.

2. Bereiten Sie gut sich vor

Seien Sie mal ehrlich zu sich selbst! Wie viel Zeit haben Sie für die Wahl Ihres letzten Jahresurlaubs investiert. Vergleichen Sie bitte diese Zeit mit der, die Sie sich für die Vorbereitung Ihrer letzten Gehaltsverhandlung genommen haben. Dabei steht mehr auf dem Spiel, als es Ihnen vermutlich bewusst ist. Eine verpasste Gehaltserhöhung um 200 Euro summiert sich auf 2.400 Euro im Jahr. In 10 Jahren hätten Sie sich dann 24.000 Euro durch die Lappen gehen lassen. Was würden Sie heute mit 24.000 Euro anstellen?

Setzen Sie beispielsweise ein Gehaltsziel. Wie viel möchte ich haben? Wie hoch muss ich in der Verhandlung ansetzen damit ich gegebenenfalls Luft für ein Geständnis habe? Welche Argumente gerechtfertigten meine Forderung? Ihr Nachwuchs tut es beispielsweise nicht. Argumentieren Sie also aus der Sicht Ihres Vorgesetzten. Was hat er davon? Bereiten Sie sich intensiv auf das Gespräch vor. Es lohnt sich!

3. Bleiben Sie hartnäckig

Es überrascht mich immer wieder wie einfach sich viele Angestellte abspeisen und vertrösten lassen. Sobald der erste Einwand fällt, knicken die meisten zusammen und die Gehaltsträume sind geplatzt. Sie gehen zurück an die Arbeit, sind enttäuscht und die Motivation ist zumindest für die nächsten Wochen im Keller. Was viele Angestellt nicht wissen ist, dass Vorgesetzte gerade für Mitarbeitergespräche (Gehaltsverhandlungen) speziell geschult werden. Dort bekommen Sie unter anderem beigebracht zu testen, wie ernst die Forderung wirklich gemeint ist.

Ich habe eine gute Nachricht für Sie! Die meisten Einwände Vorgesetzter sind mit guter Vorbereitung (Sie erinnern sich an Punkt 2) absolut vorauszusehen. „Kein Budget, Gehaltsgefüge, kommen Sie in 6 Monate wieder…“ usw. Auf diese Einwände können Sie Antworten formulieren die Sie im Gespräch nutzen können.

Nehmen wir als Beispiel den Einwand Gehaltsgefüge.

„Ich würde Ihnen ja gerne mehr Gehalt geben, hier verdienen aber alle dasselbe.“

Wie wäre es mit dieser Antwort:

„Ich schätze Ihre Bemühungen ein gerechtes Umfeld für Ihre Mitarbeiter zu schaffen (Verständnis zeigen). Ich halte Sie grundsätzlich für einen sehr fairen Vorgesetzten (Appell an das höhere Ich). Ist es aber auch nicht fair einen Mitarbeiter seiner Leistung entsprechend zu bezahlen (Konsistenzprinzip)? Im Gegensatz zu den meisten Kollegen, habe ich… (hier nennen Sie Ihre Argumente). Deshalb halte ich eine Gehaltsanpassung (niemals – Erhöhung) für fair (Verdopplung Konsistenzprinzip).

So und so ähnlich können Sie sich auf viele Einwände Ihres Vorgesetzten vorbereiten. Ich schließe nicht aus, dass auch trotz bester Einwandbehandlung Chefs gibt, die keine Gehaltserhöhung gewähren wollen oder können. Auch in diesem Fall können Sie dennoch wie folgt ein Erfolg verzeichnen.

„Ich verstehe Ihren Standpunk (Verständnis zeigen) auch wenn mir dieser Ausgang des Gespräches etwas Bauchschmerzen macht (kein Mensch möchte einem anderen Schmerzen zufügen). Deshalb würde ich gerne von Ihnen wissen: welche Ergebnisse muss ich liefern damit, wenn wir uns in einem halben Jahr hier wieder treffen, ich die geforderte Gehaltserhöhung bekomme und wie können wir diese jetzt festhalten?

Durch diese Verdopplung der Fragestellung (welche Ergebnisse muss ich liefern? Wie können wir diese festhalten) wird die Gehaltserhöhung noch besser als Fakt und nicht als Frage wahrgenommen.

Sie sehen also, dass es sehr wohl Möglichkeiten gibt, gegen die Phrasenkeule Vorgesetzter anzukommen und diese mit Ihren eigenen Waffen zu schlagen. Hart bleiben kann sich also durchaus lohnen. Setzen Sie diese Tipps ein und Sie kommen Ihrer nächsten Gehaltserhöhung einen bedeutenden Schritt näher. Viel Erfolg in Ihrer nächsten Gehaltsverhandlung.

 

 

Weitere Tipps gibt es in Burak Kalmans Ratgeber „Die 5 größten Ausreden Vorgesetzter zu Gehaltsforderungen“. Hier gratis zum Download.

 

 

 

 

Bilder: Burak Kalman

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