„Ich bin halt so…“ ist keine Entschuldigung!

 

Von René Simon

 

Jeder kennt Menschen, die sich zum Opfer ihrer Eigenschaften und Umstände machen, die fehlenden Erfolg entschuldigen, indem sie sagen: „Ich bin halt so!“

Was wäre, wenn Charakter, Eigenschaften und Wesenszüge beinflussbar oder sogar modellierbar wären?

 

Ich bin halt so …

Fast jeder von uns hatte schon mal diese Gedanken: Wenn ich doch bloß disziplinierter wäre, wenn ich doch nur diese eine bestimmte Eigenschaft hätte oder diese andere loswerden könnte, dann würde es mit dem Erfolg funktionieren. Getoppt wird dies dann noch durch ein resignierendes: „Aber ich bin halt so!“

Doch was wäre, wenn Eigenschaften beeinflussbar wären?

Eine Art freie Modellierbarkeit – das wär’s doch!

Einfach disziplinierter werden, um wieder regelmäßig zum Sport zu gehen oder das kostspielige Rauchen endlich aufzugeben oder kreativer, selbstbewusster und schlagfertiger zu sein, um sich auch mal durchsetzen zu können.

Klingt gut, ist aber unrealistisch, denkst du? Als Erwachsener kannst du dich nicht mehr ändern? Kannst du doch! Aktuelle Studien der Psychologie und Neurobiologie zeigen, dass unser Charakter und unsere Eigenschaften nicht vorgegeben sind bzw. nur ein kleiner Teil von der Genetik beeinflusst wird.

Viele Eigenschaften und Wesenszüge, positiv wie negativ, sind entweder anerzogen oder antrainiert. Disziplin, Ausdauer, Fairness, Selbstbewusstsein, Neugier, Humor, Enthusiasmus, Kreativität oder Integrität lassen sich unabhängig vom Alter trainieren.

Wer daran arbeitet, seine charakterlichen Anlagen und Stärken zu entwickeln, lebt glücklicher und gesünder als jemand, der einfach resigniert.

Wir neigen oft zu einer Selbstidealisierung. Eigene Schwächen und Charakterzüge nehmen wir meist erst durch die Spiegelung unseres Umfelds wahr.

Doch in welcher Weise lässt sich der Charakter überhaupt verändern?

Der Schlüssel heißt „Neuronale Plastizität“. So nennt sich die Fähigkeit, die es unserem Gehirn ermöglicht, bis ins hohe Alter hinein neue Verknüpfungen zu erschaffen, fortwährend zu lernen und neue Referenzen zu verankern, welche zum Beispiel durch prägende und einschneidende Erfahrungen bestimmen, wie wir zukünftig reagieren.

René Simon traf Verleger Julien Backhaus bei der Entrepreneur University 2018

In der Persönlichkeitspsychologie herrschte lange Zeit die Auffassung, dass mit etwa 30 Jahren unser Charakter ausgebildet ist und dann auch so bleibt. Längsschnittstudien haben in den vergangenen Jahren jedoch gezeigt, dass sich die Persönlichkeit während des gesamten Lebens verändern kann. Anhand neu entwickelter Tests konnte nachgewiesen werden, dass auch im fortgeschrittenen Alter noch sehr viel möglich ist. Das Veränderungspotenzial unserer Psyche ist groß, wir verfügen sowohl kognitiv wie auch emotional über immense Ressourcen.

Ein sehr wichtiger Aspekt ist, dass wenn wir uns Veränderungen selbst auferlegen, tun wir uns leichter damit. Wir brauchen neue Aufgaben und Anreize, um diese Aufgaben zu bewältigen. Wir müssen das Gefühl haben, unser Schicksal selbst in den Händen zu halten. Diese sogenannte internale Kontrollüberzeugung ist wichtig, damit wir uns neuen Anforderungen nicht ausgeliefert fühlen.
Bis ins mittlere Erwachsenenalter gibt es sehr viel Dynamik in unserem Leben: Wir sind auf der Suche nach einer Partnerschaft, wollen vielleicht Kinder, müssen uns im Job und in der Freizeit definieren… Doch was kommt dann? Unsere Gesellschaft gibt uns bisher nur wenig Anreiz, uns darüber hinaus, noch weiterzuentwickeln. Wenn jedoch Wille und Motivation vorhanden sind, geht auch das. Es ist nicht selten der Fall, dass wir uns irgendwann fragen: „Soll es das jetzt gewesen sein?“ Und genau mit dieser Frage bekommen wir den Anstoß zur Veränderung.

In der Persönlichkeitsentwicklung gibt es zwei Ausrichtungen, das Streben nach Sicherheit und das Streben nach Erfahrung. Diejenigen von uns, die nach Sicherheit streben, konzentrieren sich darauf, dass es ihnen und den Personen, die ihnen wichtig sind, gutgeht und sich alle wohlfühlen. Dies führt häufig dazu, dass sie das Erreichte erhalten möchten und eher keine Risiken eingehen, durch unnötige Veränderung, den Ist-Zustand aufs Spiel zu setzen.

 

Diejenigen von uns, die nach Erfahrung streben, sind risikofreudiger. Es geht ihnen darum, das große Ganze zu verstehen und sich zum Wohle aller weiterzuentwickeln. Die Zielsetzungen dieser Menschen gehen über das Wohl der eigenen Person und des eigenen Umfelds hinaus.

Eigenschaften lassen sich allerdings nicht einfach an- und ausschalten, sondern es bedarf auch einem Warum, dem Willen zur Veränderung und der konsequenten Wiederholung.
Werde dir zuerst der Eigenschaft bewusst, die du anstrebst, und wiederhole dann dieses neue Verhalten so oft bewusst, bis es zu einem unbewussten Verhalten wird!
Je öfter du übst, desto schneller etablierst du deine neue Gewohnheit!

 

Zum Autor

René Simon blickt mittlerweile auf 10 Jahre Erfahrung als Trainer und Coach zurück, ist Speaker und hat als Autor gerade mit 92 weiteren Experten das Gemeinschaftswerk „93 IDEEN von Speakern, die dich und die Welt verändern“ veröffentlicht, welches bei Amazon bereits am ersten Tag in drei Kategorien auf Platz 1 eingestiegen ist (www.93ideen.de). Im März 2018 stand er im Finale des 3. Internationalen Speaker Slam in München und wurde mit dem „SCHERER Academy Award“ ausgezeichnet.

Was ihn antreibt, ist seine Begeisterung für persönliche Entwicklung und Wachstum.
www.renesimon.com

 

 

Bilder: Simon