Ralf Dümmel: Unternehmer aus Überzeugung

Interview zwischen Verleger Julien Backhaus und Ralf Dümmel aus der 3. Ausgabe des Erfolg Printmagazins.

 

Herr Dümmel, Sie sind ja ein richtiger Vollbluthändler. Seit den 80ern sind Sie Verkäufer und dies merkt man heute noch bei „Die Höhle der Löwen“. Wie ist denn der Weg vom Verkäufer zum Unternehmer? Denn daran scheitern viele, oder?

Ich habe nie geplant: „Oh, ich will Unternehmer werden“, sondern ich wollte Spaß bei der Arbeit und Erfolg haben. Ich hatte durch meinen damaligen Ziehvater, der DS Produkte gegründet hat, eine Möglichkeit bekommen. Aber ich müsste in einem
tollen Unternehmen nicht zwingend der Unternehmer oder der zweite oder dritte Mann sein. Wenn man im Team arbeitet und Spaß hat, würde mir das auch reichen. Dieses auf Zwang: „Ich muss Unternehmer werden und jetzt muss ich eine Idee haben“, ist der falsche Ansatz. Vielleicht scheitern einige Start-Ups deshalb. Man muss ein gutes Team haben. Das besteht auch nicht aus Platz Eins, Zwei und Drei oder der Visitenkarte, auf der ein Titel steht. Deswegen ist es ja ein Team. Jeder hat seine Aufgabe, die muss ihn ausfüllen und ihm Spaß machen und man erarbeitet gemeinsam etwas. Wenn ich mit zwei verantwortlichen Mitarbeitern bei einer Entscheidung mal unterschiedlicher Meinung sind, dann machen wir auch das, was die anderen wollen, da wird einfach im Team diskutiert und entschieden.

Hat sich denn schon vor „Die Höhle der Löwen“ bemerkbar gemacht, dass Sie nicht nur Produkte verkaufen, sondern sich auch an Unternehmen beteiligen wollen?

Ja, wir haben immer schon mal branchefremde Themen aufgenommen und auch in Unternehmungen investiert, die nicht in DS waren. Wir haben mit Tri Top damals ein Getränkesirup gemacht, obwohl wir bis zu dem Zeitpunkt nichts mit Getränken zu tun hatten. Innerhalb eines Jahres haben wir die Marke zum Marktführer in Deutschland gemacht. Wir haben Interesse und diesen Geschäftssinn, links und rechts zu gucken, wo Bedarf ist, wo der Kunde schreit und wo er kauft.

Was treibt Sie als Unternehmer an? Geld kann es ja nicht sein.

Erfolg zu haben ist etwas Schönes. Aber Erfolg mit einem Team von 400 tollen Mitarbeitern zu haben und gemeinsam feiern, Misserfolge und Probleme gemeinsam lösen – das macht dem Team einen enormen Spaß. Ich könnte durchs Feuer gehen, nicht so erfolgreich sein. Da geht es nicht immer nur um Geld. Unternehmerisch muss man Geld verdienen. Wir investieren viel und gehen Risiken ein, auch im normalen geschäftlichen Ablauf. Das geht mal gut, aber auch mal nicht gut und das gehört dazu. 400 Mitarbeiter haben das Recht ein Gehalt zu bekommen und das möchten Sie pünktlich am Ende des Monates haben. Aber wenn Geld der alleinige Antrieb ist, dann hat das wenig Aussicht auf Erfolg.

 

Jetzt haben sie schon gesagt, dass Sie eine große Mannschaft haben. Fällt es ihnen denn leicht Aufgaben zu delegieren?

Es fällt mir insofern leicht, da wirklich die richtigen, vertrauenswürdigen Menschen an den richtigen Positionen sitzen. Nichts
desto trotz geht, wenn du größer wirst und wächst, ein bisschen Familiäres verloren. Ich kenne das Unternehmen noch, als du
von jedem Mitarbeiter wusstest, ob er ein Haustier hat und wie das heißt, wie die Freundin heißt usw. Da war das sehr familiär. Wir versuchen, das immer wieder aufzubauen, aber wir haben in unserem Laden auch Musik und Action, dann geht
manchmal das Familiäre verloren. Das ist schade, lässt sich aber leider nicht ändern. Größer werden, an Bedeutung gewinnen, im Handel eine gewisse Marktmacht oder auch als Lieferant eine große Anerkennung zu kriegen, ist auch etwas Tolles.

Wie finden Sie denn die richtigen Leute für ihr Team?

Also wenn Sie Gute haben, immer her zu uns. Wir suchen ständig und überall, da wir am Wachsen sind. Wir sind stolz darauf,
mit 85 % eine unglaublich hohe Quote an Auszubildenden nicht nur angestellt zu haben, sondern auch zu behalten und zu übernehmen. Leute, die drei Jahre im Unternehmen gelernt haben, verstehen eher, wenn der Kunde anruft und sagt: „Ich brauch heute 5000 Stück“ und ob ich die in einer Stunde packen kann oder nicht. Wenn andere, die noch nie am Packtisch
standen, vielleicht sagen würden: „Wir haben ja genug Leute da, die werden das schon machen“. Insofern haben die Auszubildenden nochmal ein anderes Verständnis für jede Abteilung, weil sie im Zweifel die Person und auch die Abläufe in den einzelnen Abteilungen kennen. Wir haben ganz viele, die hier gelernt haben und schon 18 Jahre im Unternehmen sind. Das macht viel für die Teamfähigkeit aus. Die gehören dann wirklich auch zur Familie.

Dürfen die Leute bei ihnen Fehler machen?

Ja Fehler sind erlaubt, ich finde es menschlich. „Der macht zwar nur Fehler, aber der ist halt nett“, geht in einem Unternehmen Unternehmen gibt es auch nicht nur gute Dinge, sondern auch mal negative Dinge. Aber das sind Aufgaben, die man sich stellen muss und auch gerne stellt.

Es gibt ja viele Menschen, die gerne ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen würden. Sie geben diese Ratschläge sogar
weiter z.B. auf Veranstaltungen wie dem „Start Up Camp“ in Berlin. Was geben Sie den Leuten als Wichtigstes mit auf den Weg?
Das ist schwer so pauschal zu beantworten. Es gibt erstmal gewisse menschliche Voraussetzungen. Immer auf dem Boden
bleiben, nie abheben und nie denken, man sei etwas Besseres oder man kann irgendwas Besseres. Es gibt so viele Menschen die toll sind, die Gutes können. Und da muss man sich selbst nicht überschätzen. Risikofreudig! Ehrlich! Fleißig! Gerade wenn man ein Unternehmen gründe will, was heute schwieriger ist, weil in der gesamten Handelsszene, von großen Konzernen
dominiert ist. Du sagst: „ich habe eine gute Idee“. Rufst du irgendwo an, zum Beispiel beim Großkonzern? Wenn du es schaffst in die richtige Abteilung durchgestellt zu werden und sagst: „Mensch, Hallo hier bin ich, habe eine gute Idee“, bist du nur einer von 300 Leuten am Tag und jeder hat eine gute Idee. Das ist heute nicht mehr ganz so einfach. Dann mit dem Risiko, Vorfinanzierung, Ware einzukaufen. Wo kaufe ich sie ein, kommt sie vernünftig an, stimmt die Qualität und solche Sachen. Läuft es? Habe ich zu viel Ware, zu wenig Ware usw. Und da gehört unwahrscheinlich viel Fleiß zu. Das bedeutet Verzicht. Verzicht auf einen Tag Urlaub im Jahr, vielleicht auch mal auf den Feierabend und auch mal eine Stunde länger arbeiten. Das gehört dann dazu, dem muss man sich aber stellen.  Es ist toll Unternehmer zu sein. Aber es ist auch toll leitender Angestellter oder Mitarbeiter zu sein. Da kommen wir wieder zum Anfang zurück. Spaß bei der Arbeit. Das muss mich auch ausfüllen. Es gibt Menschen, die sagen: „Freizeit ist für mich wichtig. 15:00 Uhr Feierabend.“ Das ist legitim und toll. Und dann gibt es Menschen, die sagen: „Ja, ich mag es zu arbeiten, ich mag es noch ein bisschen erfolgreicher zu sein“ und das ist auch legitim. Jeder muss seinen Weg finden. Aber wenn man ein Unternehmen gründen will, sind die Grundvoraussetzungen verzichten, fleißig sein, Risikobereitschaft und ein unglaublicher Wille. Überzeugt sein ohne abzuheben, aber von sich überzeugt sein. Von seinem Thema oder Produkt oder von seiner Produktidee überzeugt sein.

Entscheiden Sie nach Bauchgefühl oder sind Sie eher Kopfmensch?

Mehr Bauch. Wenn aber einer nur nach dem Bauch entscheidet, dann wird es irgendwann schwierig. Oft ist es im Leben
eine Frage der Sympathie. Wenn man sich ein paar Minuten kennen gelernt hat, dann hat schon so ein Gefühl, ob man mit der
Person mal ein Bier trinken gehen würde oder nicht, dieses: „Oh, sympathischer Mensch, der kann was und mit dem will
ich was erreichen“ und das gleiche zählt auch beim Produkt. Nachdem das Bauchgefühl ein positives Signal gesendet hat,
muss der Kopf auch wirtschaftlich durchdenken, ob es passt und der Markt dafür da ist, der Preis stimmt und der Verkaufspreis für den Handel der Richtige ist.

 

Bild: Backhaus Verlag/Wilkens.

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