Anglizismen in der Werbung – Sind sie wirklich effektiv?

Englische Werbeslogans als beliebtes Marketinginstrument

Seit Jahren ist es in Marketingkreisen beliebt, dem deutschen Publikum englische Werbung vorzusetzen. Doch lohnt sich das wirklich oder sollte man lieber auf zu viele Anglizismen verzichten?

In diesem Artikel zeigen wir die größten Missverständnisse, die bei der Verwendung von englischen Slogans entstehen können und was zu beachten ist, wenn man diese zielgerecht im deutschen Markt einsetzen will.

 

Englische Werbung im deutschen Markt – kann das funktionieren?

1. Englische Slogans können für Verwirrung sorgen

Der Einsatz der englischen Sprache in Deutschland ist nicht nur in der Alltagssprache beliebt – gerade im Online-Bereich sind zum Beispiel englische Begriffe wie “Website” häufiger anzutreffen als die deutsche Version “Webseite”. Aber auch im Marketing haben Anglizismen Hochkonjunktur und werden als regelrechte “Waffe” in der Werbung eingesetzt.

Doch Studien zeigen, dass englische Werbeslogans auch missverstanden werden können und dass englische Werbung bei deutschen Muttersprachlern mitunter zu Verwirrung führt. Es gibt einige lustige Beispiele, wie die ursprüngliche Werbebotschaft völlig falsch interpretiert werden kann:

  • So hat ein Werbeslogan von Douglas in Marketingkreisen fast schon Kultstatus erreicht: Denn “Come in and find out” kann von Deutschen auch verstanden werden als “Komm rein und finde wieder raus”, anstatt der ursprünglichen Botschaft: “Komm rein und finde mehr raus”.
  • Auch der Wortwitz hinter dem bekannten Werbeslogan von Lindt “Nice to sweet you” wird von vielen deutschen Konsumenten nicht richtig verstanden und sorgt eher für Verwirrung.

Nicht alle Konsumenten in Deutschland besitzen gute Englischkenntnisse und können deshalb den neuesten Werbeslogans häufig nicht folgen. Doch trotz einem grossen Anteil der Bevölkerung, der nur wenig Englisch versteht, werden Anglizismen immer häufiger eingesetzt – warum ist das so?

 

2. Warum Anglizismen so wirkungsvoll sind

Der Grund, warum in der Werbung so viele Anglizismen eingesetzt werden, liegt in ihrer Effektivität: Eine Vielzahl von Deutschen lässt sich von Slogans in der “Weltsprache” Englisch blenden – denn Englisch strahlt für viele eine gewisse Autorität aus.

Zudem sind Werbeslogans in Englisch gerade in Verbindung mit bekannten Werbejingles einprägsam und vermitteln zudem einen gewissen Innovationsgeist.

Auch wenn der genaue Wortlaut also von vielen Deutschen nicht genau verstanden wird – die Wirkung englischer Werbesprüche ist am Ende häufig positiv und bekräftigt deren Einsatz.

 

Wie Anglizismen effektiv in der Werbung eingesetzt werden können

Um englische Werbeslogans richtig einzusetzen, sollten einige wichtige Punkte beachtet werden:

  • Die englischen Slogans sollten nicht zu lang sein, damit man bei Nicht-Muttersprachlern nicht für unnötige Verwirrung sorgt.
  • Die Werbesprüche sollten Aufmerksamkeit erregen, aber dennoch einfach verständlich sein, um einprägsam zu bleiben.
  • Es ist wichtig, dass trotz kreativer Formulierung die Marken- und Produktbotschaft klar erkennbar bleibt und nicht zu stark “verwässert” wird.
  • Als Werbemedium bieten sich neben Werbung im Online-Bereich auch Fernseh- und Radiowerbung, aber auch “klassische Marketingmaterialien wie Flyer und Broschüren
  • Werbeslogans – egal ob auf Deutsch oder Englisch – sollten vor der breiten Anwendung immer im kleinen Rahmen und in verschiedenen Varianten getestet werden.

 

Fazit: Englische Werbung ist wirkungsvoll aber kein Allheilmittel

Englische Werbesprüche sind nicht zu Unrecht sehr beliebt, denn ihr Effekt ist gegenüber rein deutschen Slogans häufig wirkungsvoller. Dabei ist aber zu beachten, dass man klar verständliche Formulierungen und einprägsame wählt, die auch bei Deutschsprachigen ohne Englischkenntnisse zumindest im Kern verstanden werden können.

Bei all dem Lob für Anglizismen in der Werbung sollten Marketingfachleute zudem nicht vergessen, dass auch die deutsche Sprache wirkungsvoll eingesetzt werden kann. Ein gutes Beispiel dafür ist zum Beispiel der bekannte Audi Werbeslogan “Vorsprung dank Technik”, der wohl niemandem mehr aus dem Kopf geht, der ihn einmal gehört hat.

Englische Werbeslogans sind also kein Allheilmittel und ersetzen nicht das treffsichere Finden der richtigen Markenbotschaft, doch sie können als Marketinginstrument dennoch situativ und gezielt eingesetzt werden.

 

 

Bild: Depositphotos.com/garagestock