Factoring für kleine Unternehmen – lohnt sich das?

Wer als Unternehmer nicht auf die Zahlungen säumiger Kunden warten möchte, kann auf Factoring zurückgreifen. Doch die Dienstleistung ist nicht umsonst. Ob sich die Vorfinanzierung von Rechnungen auch für kleinere Betriebe lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren, und vor allem vom gewählten Anbieter ab.

Säumige Kunden stellen für jeden Unternehmer mehr als nur ein unangenehmes Ärgernis dar. Das gilt insbesondere für kleinere Betriebe, die meist nicht über eine besonders dicke Finanzdecke verfügen. Um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, hat sich in der Vergangenheit die Nutzung von Factoring bewährt.

 

Darum geht es beim Factoring

Bei der aus den USA stammenden Finanzierungsform übernimmt ein sogenannter Factor die Vorfinanzierung einer Rechnung, die der Unternehmer seinem Kunden oder Lieferanten stellt. Nachdem die Leistung erbracht, und eine Rechnung an den Kunden versandt wurde, übergibt der Unternehmer die Forderung an den Factor. Der Factor überweist innerhalb von maximal 48 Stunden zwischen 80 und 90 % des Rechnungsbetrages auf das Konto des Rechnungsstellers. Der Restbetrag  abzüglich der zuvor in einem Rahmenvertrag vereinbarten Kosten, wird fällig sobald der Kunde die offene Rechnung bezahlt hat.

 

So profitieren Sie als Unternehmer

Der Hauptgrund warum sich Unternehmen für diese Art der Finanzierung entscheiden, ist die Stärkung der eigenen Liquidität. Der Kunde hat immer einen festgelegten Zeitraum, um sein Geld zu überweisen, das sognannte Zahlungsziel. Sind es beispielsweise 60 Tage, könnte das rechnungsstellende Unternehmen seine Forderungen auch erst am Ende der Frist erhalten – ein Zeitraum in dem nicht mit dem Geld gewirtschaftet werden kann. Erhält das Unternehmen die finanziellen Forderungen jedoch sofort, kann es dagegen umgehend weitere Projekte und Zahlungen angehen.

 

Factoring früher und heute

War es früher für kleinere Unternehmen mit einem geringen Jahresumsatz oder aus bestimmten Branchen nur schwer möglich, einen Factor zu finden, hat sich dies in den vergangenen Jahren zunehmend geändert. Mittlerweile haben einige Anbieter ihre Geschäftsbedingungen und Gebührenmodelle auf die Bedürfnisse kleinerer und mittlerer Unternehmen angepasst. Freiberufler und Start-ups können davon heute ebenso profitieren wie  Handwerksbetriebe und kleinere Dienstleister. So bieten inzwischen sogenannte FinTechs spezielle Angebote, die sich auch für weniger umsatzstarke Unternehmen lohnen. Als Beispiele für den deutschen Markt sind z.B. Billie, Finiata oder Decimo zu nennen. Als Reaktion auf die neuen Konkurrenten haben auch einige der etablierten Factoring-Unternehmen den Zugang für kleinere und mittlere Unternehmen erleichtert.

 

Die Dienstleistung ist natürlich nicht umsonst

Die mit dem Factoring verbundenen Leistungen sind natürlich nicht kostenlos. Denn es handelt sich im Prinzip um einen Kredit, bei dem auch Zinsen und Gebühren anfallen. Diese werden für den Zeitraum zwischen dem Datum der Auszahlung durch den Factor und der tatsächlichen Bezahlung der Rechnung durch den Kunden berechnet. Wie hoch die Kosten letztlich sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Z.B. spielen die Unternehmensform, der Jahresumsatz, die Branche sowie die Bonität des Unternehmens eine Rolle.

 

Wie immer gilt: Vergleichen lohnt sich

Da die Höhe der Zinsen und Gebühren je nach Anbieter durchaus äußerst unterschiedlich ausfällt, sollte auf einen Vergleich der Konditionen nicht verzichtet werden. In der Regel bewegen sich die Gebühren in einem Bereich zwischen einem und zwei Prozent des Rechnungsbetrages. In einzelnen Fällen können sie jedoch, abhängig von Risiko und Umfang der Transaktion, auch deutlich darüber oder darunter liegen. Bei der Betrachtung der Gesamtkosten sollte genau geprüft werden, was in dem angebotenen Paket enthalten ist, und welche Leistungen unter Umständen extra bezahlt werden müssen. Eine Übersicht einiger Anbieter und deren Konditionen speziell für kleinere Unternehmen gibt es z.B. unter abrufkredit24.de. Eine umfangreiche Liste mit Factoring-Anbietern unterteilt nach Branchen finden Sie z.B. unter checkup-factoring.de.

 

Unterscheidung zwischen echtem und unechtem Factoring

Wichtig bei der Wahl des Factors ist, ob dieser die echte oder die unechte Form des Factorings anbietet. Bei der echten Variante findet eine Abtretung der Forderung statt. Der Factor übernimmt als neuer „Eigentümer“ der Forderung auch das Ausfallrisiko, falls der Kunde am Ende nicht zahlt. Beim unechten Factoring besteht die Leistung des Factors rein in der Vorfinanzierung der Rechnung. Das Ausfallrisiko sowie das Forderungsmanagement verbleiben beim Unternehmen. Mehr Informationen zu den einzelnen Factoring-Arten gibt es z.B. unter kaeuferportal.de

 

Ich möchte Factoring nutzen, wie gehe ich vor?

Um die Dienstleistung nutzen zu können, muss zunächst ein Rahmenvertrag mit einem Factor geschlossen werden. Hierbei handelt es sich um eine grundlegende Vereinbarung zum Ankauf von Rechnungen, in der auch die genauen Konditionen festgelegt werden. Einmal abgeschlossen können Sie als Unternehmer ohne weitere Absprachen mit dem Factor Rechnungen zur Vorfinanzierung einreichen. Vorab erfolgt eine kurze Bonitätsprüfung, um die Zahlungsfähigkeit der beteiligten Unternehmen sicher zu stellen.

 

Fazit: Wann lohnt sich Factoring für mich als Unternehmer?

Ob sich Factoring am Ende für das eigene Unternehmen lohnt, ist in erster Linie eine Frage der Kundenstruktur, der Zahlungsmoral und der üblicherweise gewährten Zahlungsziele. Werden fällige Rechnungen von den Kunden in der Regel pünktlich innerhalb einer Frist von etwa zwei Wochen bezahlt, können andere Finanzierungsmodelle wie der klassische Kontokorrentkredit unter Umständen billiger sein. Wird das Geschäftskonto jedoch regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg überzogen, und deshalb mit hohen Zinsen belastet, erweist sich Factoring durchaus als vorteilhafte Alternative. Ein entscheidender Faktor sind natürlich auch die Konditionen des gewählten Anbieters. Die anfallenden Gesamtkosten sollten in jedem Fall niedriger sein als die Zinsen des normalen Kontokorrentkredits der Hausbank.

 

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