Konstantin Eulenburg

Harald Glööckler: Bleib dir treu

„Bleib dir treu“, Harald Glööckler spricht im Interview mit dem ERFOLG Magazin über die Authentizität und Verantwortung gegenüber uns selbst, sowie der Welt.

Wie ist das mit der Verantwortung? Du hast da in der Vergangenheit sehr klare Worte gefunden.

Glööckler: Das ist ja das Geheimnis und das Prinzip des Lebens, dass wir geistige Wesen sind, die körperliche Erfahrungen machen und dass wir eben alles machen können, dass aber eben verantworten müssen. Deshalb sag ich immer: Wenn ihr Fleisch esst, dann solltet ihr euch dessen bewusst sein, dass für euch Tiere getötet wurden. Das ist keine Anklage, das steht mir nicht zu. Ich bin einer der liberalsten, tolerantesten Menschen überhaupt. Die Tage wurde ich wieder auf Instagram angegangen: „Warum tragen Sie Lederschuhe?“ Soll das ein Verhör werden? Das bringt einen nicht weiter. Ihr könntet ja auch jemanden umbringen, ihr müsst halt nachher dafür geradestehen, aber theoretisch können wir hier alles tun, da Gott nicht eingreift. Wenn‘s Scheiße läuft, fragen die Leute immer, warum Gott nicht eingreift. Ich habe noch keinen erlebt, der im Lotto gewonnen und gesagt hat: Warum greift Gott da nicht ein? Also lasst Gott mal aus dem Spiel, der hat mit der Geschichte gar nichts zu tun.

Du hast ja ein neues Buch verfasst, „Vor Zwölf – High time“. Was hat dich dazu inspiriert und für wen hast du das geschrieben?

Glööckler: Mein Buch hat den Anspruch, dass es jeder gut lesen kann, über das man auch nachdenkt aber nicht mit zu viel Horror. Es wichtig, dass sie kurz und schmerzlos ist. Ich sage nicht, dass es für alle anderen richtig ist. Es ist meine Sicht der Dinge, Mein Ein- und Ausdruck, meine Philosophie im Leben, wie es früher war und heute ist und wie es nicht weitergehen kann. Das ist gefährliches Terrain, dieses Love, weil die Leute schnell sagen, der hat völlig einen an der Waffel. Andererseits sind die, die dieses Buch lesen, auch eher esoterisch und offen. Die Idioten lesen es ja sowieso nicht.

Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Ich hatte wirklich diese Vision von diesem Leben. Da war kein Neid und alles hat sich sofort manifestiert. Ich finde das aber auch ganz gut, weil so ein Buch etwas interessanter zu lesen ist mit einem Dialog, als wenn immer nur ich erzähle. Wenn Love sagt: „Ihr Menschen benehmt euch alle abartig“, dann ist das besser, als wenn ich das sage. Manche werden sagen, das ist mir zu esoterisch, too much, aber damit kann ich leben. Auch das ist eine Message des Buches: Es gibt so viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir nicht begreifen. Ich finde, das gehört sich so.

Ganz viele sagen, Tiere haben keine Gefühle, was unglaublich impertinent und arrogant ist, denn die haben natürlich Gefühle. Mein Hund ist so sensibel, der merkt, wenn er mal besser Ruhe gibt oder wenn er was will, gibt‘s erstmal ein Küsschen. Das ist auch clever: wenn ich was will, dann gebe ich erstmal was. Mir ist schon klar, dass ich mit so einem Thema im Buch anecke, aber ich glaube, es ist Teil meines Daseins, dass ich viele Menschen erreiche und ich bin außerdem sehr authentisch.

Die Menschen hören auch auf das, was ich sage und ich glaube ich kann auch viele zum Umdenken bewegen. Menschen sollten eine eigene Meinung haben und vertreten und auch auf Missstände aufmerksam machen, weil wir ja alle so sorglos in den Tag hineinleben. Alle jammern und beklagen sich, dass der Amazonas-Regenwald brennt und über diesen schrecklichen Präsidenten. Aber vor ihrem Haus haben sie einen Steingarten, in dem kein Tier leben kann, keine einzige Pflanze, kein Baum. Dann pflanzt mal einen Baum.

Wusstest du im Übrigen, dass es in Deutschland verboten ist, Steingärten zu haben?

Glööckler: Aber die haben doch alle.

Ja, ja, aber wenn die erwischt werden, dann werden sie abgemahnt.

Glööckler: Ja aber, wenn nur eine Million Menschen einen Baum pflanzen in ihrem Vorgarten, dann haben wir 1 Million mehr Bäume in Deutschland. Aber es ist natürlich viel einfacher, sich über den Amazonas auszulassen, anstatt zuhause eine Blumenwiese zu pflanzen. Ich muss mir nichts vorwerfen, ich habe hunderte von Bäumen hier gepflanzt. Ich habe allein 80 Glanzmispel-Hochstämme aus der Toskana hier pflanzen lassen. Aber wieso machen die Leute nicht mal sowas, da können sie doch anfangen. Wir können ja nicht ins große Weltgeschehen eingreifen, aber jeder kann für sich was bewirken. Wenn jeder in seiner kleinen Parzelle ein bisschen was macht, dann ist schon ganz viel passiert. Es wird nur geredet. Ich versuche über das Buch auch so ein bisschen schlechtes Gewissen zu machen. Aufgrund dessen, dass ich kein Fleisch mehr esse, habe ich habe schon einige dazu gebracht, dass sie jetzt auch weniger essen, bewusster. Auch, dass sie drüber nachdenken. Ich finde, nachdenken sollte man immer.

Ist Nachdenken aber besser als schlechtes Gewissen?

Glööckler: Es ist beides gut, es gehört zusammen.

Weil das schlechte Gewissen klagst du auch oft an.

Glööckler: Ja aber das schlechte Gewissen mach ich ja nicht, dass bekommen sie ja von sich aus. Das hat man ja nur, wenn man etwas getan hat, was nicht so gut war. Ich habe das auch, dass kommt dazu, wenn man schreibt. Außerdem bin ich eines Metzgers Sohn. Fleisch war ja meine Süßspeise, wenn man so will. Trotzdem habe ich erlebt, dass die Metzger früher anders mit Tieren umgegangen sind als heute und man hat dem Tier in die Augen geschaut, wenn man es geschlachtet hat. Heute wird das Fleisch von der Theke gekauft und mit töten hat das anscheinend nichts zu tun. Doch in dem Moment, wenn man Fleisch hat, hat man auch mit Töten zutun ob man‘s hören will oder nicht.

Du sagtest eben, man verlangt immer von anderen Aktion, anstatt selbst was zu machen. Ich glaube, in dem Buch bist du, weil es damals noch nicht so aktuell war, noch nicht auf die Fridays for Future Geschichte eingegangen, oder?

Konstantin EulenburgGlööckler: Nein, weil ich da überhaupt nicht drauf eingehen will, weil das nach meiner Meinung eine große Farce ist. Das ist eine dumme, freche Göre, die andere Kinder dazu aufruft, von der Schule fern zu bleiben. So wie ich es mir gleich gedacht habe, steckt da ganz viel dahinter, was nicht ganz so astrein ist. Da kommt plötzlich so ein Mädel, springt auf und ruft andere auf, sie sollen jetzt protestieren gehen und schon wird sie für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Wieso kommt einem das nicht komisch vor? Sofort wird sie instrumentalisiert und von der Politik benutzt. Es natürlich praktisch, eine Greta hochzuheben. Dadurch kann man von vielem anderen ablenken.

Ich will gar nicht so auf das kleine Mädel eingehen, sondern eher auf das Gedankengut, das dahintersteckt, zu sagen, ihr müsst etwas tun. So wie du es eben so schön gesagt hast, könnte man jetzt theoretisch argumentieren, dann geht doch zusammen in den Garten und pflanzt einen Baum.

Glööckler: Und muss man das machen, wenn man Schule hat? Das finde ich nicht ganz so lustig. Wenn wir jetzt alle aufhören zu arbeiten und demonstrieren gehen und auch die Ärzte hören auf zu operieren, finden wir das dann auch toll, oder wie? Also ich bin nicht ganz so begeistert. Ich bin begeistert von jungen Leuten, die sind insgesamt sehr viel bewusster als andere Generationen, denn sie wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Und ich finde auch gut, wenn sich da welche hervortun und sagen, komm lass was machen. Aber bei mir kommt dann der Unternehmer durch. Man kann nicht einfach so aufhören zur Schule oder zur Arbeit zu gehen, um zu demonstrieren. Sollen sie halt Samstag oder Sonntag demonstrieren.

Dann segelt Greta nach New York und auf Fotos davon steht die Evian Flasche von Nestle daneben. Na, wie passt denn das? Ich meine, ich habe auch Evian hier stehen, aber ich bin auch nicht Greta. Aber wenn man so militant ist, dann passt das nicht so richtig und dann wird sie unglaubwürdig in meinen Augen.

Ich glaube, das macht sie auch erst, seitdem sie extrem dafür kritisiert wurde, dass sie andauernd im Flugzeug zu irgendwelchen Pressetermine flog. Seitdem reist sie mit Schiffen.

Glööckler: Dann muss sie aber nicht die Evian Flaschen danebenstehen haben. Ich finde, bei den jungen Leuten tut sich ganz viel, auch ohne Greta. Das ist auch gut so, weil man nur junge Leute motivieren kann. Die alten sind eh schon verkrustet. Guck mal, in meinem Alter sind viele schon stur und bockig. Ich kann mit solchen Menschen nichts anfangen. Die sind so unflexibel und desto älter sie werden, desto schlimmer wirds.

Du bist ja für mich immer schon ein großes Beispiel für Veränderung. Wo ist denn der Unterschied zwischen „sich authentisch treu bleiben“, „mit der der Zeit gehen“ und „sich verändern“.

Glööckler: Wir verändern uns jeden Tag, sekündlich, das kann sowieso nicht aufhalten. Beim Thema Schönheits-OPs, wenn sie zu mir sagen, „ich würde das nie machen, weil man nicht mehr wie vorher aussieht“ – so siehst du doch jetzt schon nicht mehr aus, guck dich doch mal im Spiegel an. „Ja, mach ich doch“. Ja, dann putz den Spiegel!

Und das ,sich treu bleiben‘ ist auch so ein großes Wort. Jemand, der wahrhaftig ist, bleibt sich sowieso treu. Das sind Menschen, die ein starken Charakter haben, die autark sind, die keine Angst haben anzuecken. Aber alle, die Angst haben anzuecken, die mit dem Wind gehen, bleiben sich nicht treu, geht ja nicht. Wenn du dir treu bleibst, wirst du natürlich schnell als schwierig, als exzentrisch angesehen. So jemanden protegiert man nicht gern, sondern lieber Leute, die man kontrollieren kann. Mich kann man nicht kontrollieren, deshalb haben auch manche Journalisten panische Angst, wenn sie auf mich treffen. Als wäre ich eine Bombe, die jeden Moment hochgehen kann. Ich bin nicht einschätzbar und auch dieses ganze Domestizieren hat bei mir schon in Kindertagen nicht funktioniert. Sich treu zu bleiben ist auch eine gewisse Mentalität. Ich bin schon immer so gewesen.

Als Kind war ich eher ruhig. Mein Vater war gewalttätig und ich musste immer aufpassen. Ich habe sehr früh gelernt, den Mund zu halten und unauffällig mein Ding zu machen. Das Allerbeste ist, dass die Erwachsenen dich dann in Ruhe lassen. Wenn du aber drüber redest, dann funkt dir einer dazwischen und dann sagen sie immer, nein, das geht nicht.

Wenn andere erzählen, sie machen jetzt einen Laden in Dubai auf, sage ich, Kinder, wir bringen das erst auf den Weg und gehen dann raus. Wenn man zu früh den Kopf aus dem Fenster hält, schlägt ihn einer ab. Dieses, sich selbst treu zu bleiben‘ ist ganz wichtig, denn als ich begonnen habe, diese Mode zu machen, hat man mir immer gesagt, ich müsse doch Mode machen wie Boss. Sowas will doch niemand tragen, dachte ich. Wieso soll ich Mode machen wie Boss, die gibts doch schon. Dann wirst du ewig belacht, aber am Ende zahlt sich die Hartnäckigkeit aus. Und dann schreiben sie auf Facebook „ich finde ihn ja so toll, es sollte ihm aber mal jemand sagen, dass er soll aufhören soll, so große Lippen zu machen“, da meinte jemand anders, „ich glaube, das kannst du dir sparen, das interessiert ihn einen Dreck“. Und das finden die Leute wieder toll, auch junge Leute, die sagen: „Ich finde den Typen cool, das geht dem grad am Arsch vorbei“, Du darfst dich nicht abhängig machen von Meinung anderer. Das ist ganz wichtig aber auch schwierig in einer Zeit, in der das Wort und Zusagen nichts mehr gelten, wo Leute kein Rückgrat mehr haben.

Ich dachte, ich könnte auch ein bisschen vornehmer werden und auch Dinge nicht oder ein bisschen netter sagen. Nein, sich komplett zu vergewaltigen geht auch nicht. Der Lagerfeld hat auch manchmal Sachen rausgehauen, da hat man fassungslos gemeint, das hat der jetzt nicht ernsthaft gesagt. Solche Leute wie ich sind gefährlich, unkontrollierbar, weil sie andere zur Revolution auffordern können. Es ist alles stetig in Veränderung und im Moment extrem schnell. Das macht die Leute auch verrückt. Und das macht auch Angst. Aber Angst ist ja kein guter Ratgeber, das ist ja das größte Problem.

Angst isst die Seele auf.

Glööckler: Ja, Angst ist ja ganz schlecht und auch immer diese wiederkehrenden Fragen. Kann man heute Kinder in die Welt setzen? Konnte ich 1914noch Kinder in die Welt setzen? Die Frage kann man sich immer stellen. Heute ist es schwieriger als vor 20 Jahren sich selbstständig zu machen. Wieso ist es schwieriger? Heute durch Social Media hast du viel mehr Möglichkeiten. Das ist doch alles Quatsch. Alles hat seine Zeit und die Probleme werden nur durch unsere Politiker, unsere Medien, auch durch die Kirche gemacht. Über Jahrhunderte haben sie immer nur das Schlechte nach vorne getragen. Und wenn man immer über das Schlechte spricht, dann verstärkt man es nur. Wie Mutter Teresa gesagt hat, ich werde nie an eine Anti-Kriegsdemonstration, aber immer an einer Friedensdemonstration teilnehmen. Ich schau zum Beispiel keine Nachrichten, ich lese auch keine Zeitung, ich kriege trotzdem alles mit, was irgendwo passiert. Und was ich nicht mitkriege, soll ich auch nicht mitkriegen. Man sabbelt sich voll mit diesem ganzen Horror und dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn überall nur noch Gewalt und Brutalität ist. Man muss sich wirklich eine eigene Welt schaffen, um nicht in diesen Moloch zu stürzen. Und die Politik gibt es vielleicht in 100 Jahren nicht mehr. Früher oder später schafft die sich sowieso ab, weil die Leute merken, dass man überhaupt keine Politiker braucht. Wir könnten ja alle nebeneinander leben. Wenn wir kein Neid haben, keine Missgunst, keine Rassen, dann bräuchte man keine Grenzen. Dann gibt’s auch keinen Krieg, dann brauchen wir keine Regierung mehr. Aber natürlich erzählen die uns, dass wir sie brauchen. Ist doch klar, wie die Kirche das auch erzählt. Ich meine, die Kirche wäre schön blöd, wenn sie sagen würde, eigentlich braucht ihr uns nicht.

Das Interview mit Harald Glööckler führte Julien Backhaus

Bildquelle: Konstantin Eulenburg, Harald Glööckler International GmbH