Beate Uhse: Vom Mut, gegen den Strom zu schwimmen

Von Dr. Dr. Rainer Zitelmann

 

Vielleicht können Sie – so wie ich und viele andere Menschen auch – nichts mit Beate Uhse und ihren Produkten anfangen, doch ich bin sicher, Sie werden diese Frau bewundern, wenn Sie erfahren, wie sie aus dem Nichts heraus den größten Erotikkonzern der Welt aufbaute.

Als Pilotin allein in einer Männerwelt

Beate Uhse war schon immer ehrgeizig. Mit 15 Jahren wurde sie hessische Meisterin im Speerwerfen. Mit 16 Jahren ging sie von der Schule ab, weil sie Fliegerin werden wollte. Für ein Mädchen in der damaligen Zeit war das sicherlich ein sehr ungewöhnlicher Wunsch. Mit 17 Jahren saß sie das erste Mal als Flugschülerin in einer Maschine. In ihrer Klasse waren 59 Männer, sie war die einzige Frau. „Nach 213 Starts und Landungen, den Zielanflügen, dem Höhenflug und dem 300-Kilometer-Überlandflug hatte ich im Oktober 1937 den A2-Schein. Er lag an meinem 18. Geburtstag als Einschreibebrief daheim in Wargenau auf dem Tisch.“

Im August 1938 legte sie die Kunstflugprüfung ab, schon einen Monat vorher wurde sie beim 1. Zuverlässigkeitsflug für Sportfliegerinnen Zweite. Drei Wochen später wurde sie beim Luftrennen in Belgien in ihrer Klasse Erste und in der Gesamtwertung Zweite. Als sie eine Praktikantenstelle bei den Bücker-Flugzeugwerken bekam, war ihr Vater „richtig entsetzt“: „Seine Tochter unter 2000 Arbeitern und Monteuren. Außer mir kein weibliches Wesen in den Produktionshallen. Das fand er gar nicht gut.“
Die Filmfirma UFA fragte bei den Flugzeugwerken wegen Piloten als Doubles an, die Stunts fliegen sollten. Eines Tages durfte sie ihr Idol doubeln, den berühmten Schauspieler Hans Albers in einem seiner Hoppla-jetzt-komm-ich-Filme. Am Ende des Krieges überführte sie Flugzeuge für die Luftwaffe. Beim Einmarsch der Roten Armee konnte sie am 22. April als letzte Frau aus Berlin fliegen. „Morgens um 5 Uhr 55 versuchten wir unser Glück. Die Maschine war total überladen.“ Ihr Flugzeug wurde beschossen, aber zum Glück nur an der Verkleidung des Fahrwerks getroffen. „Wir gewannen nur langsam Höhe, quälend langsam. Aber wir schafften es, wir entkamen aus dem eingekesselten Berlin. Wir waren die Letzten, die es noch mit einem Flugzeug schafften.“

Nach dem Krieg geriet sie in Kriegsgefangenschaft, zusammen mit ihrem Sohn, den sie 1943 im Alter von 24 Jahren bekommen hatte. Ihr Mann war kurz nach der Geburt bei einem Flugzeugunglück gestorben. Sie selbst wurde bei einem Unfall in der Kriegsgefangenschaft schwer verwundet. „Keine Arbeit, kein Geld, keine Eltern, keinen Mann, keine Heimat mehr – und jetzt vielleicht für immer ein Krüppel. Den Krieg überlebt, nach drei Tagen Frieden nun dies. Meine private Bilanz: eine Katastrophe.“ Wie, so fragte sie sich, sollte sie bloß ihr Kind durchbringen?

Die Schrift X

Kurz nacheinander kamen drei Freundinnen zu ihr, die alle kurz nach Kriegsende – ihre Männer waren zurückgekehrt – schwanger geworden waren. In den schwierigen Monaten nach dem Krieg, wo jeder ums Überleben kämpfte, wollten die meisten Paare kein Kind. Sie wollten wissen, wie sie sich besser schützen konnten. Kondome gab es damals keine und die Pille war noch lange nicht erfunden.
Beate Uhse setzte sich an die Schreibmaschine und entwarf eine Broschüre, die sie die Schrift X nannte, weil ihr kein anderer Name einfiel. Sie beschrieb darin die Verhütungsmethode von Knaus-Ogino, die Lehre von den empfängnisfreien Tagen der Frau. Gegen fünf Pfund Butter (Geld war damals nichts wert) erklärte sich ein Drucker bereit, 2000 Stück davon und 10.000 Postwurfsendungen zu drucken. Die Sache funktionierte. Es gab genügend Bestellungen – nach der Währungsreform kostete die Broschüre 1 Mark. Im Jahr 1947 verkaufte sie schon 37.000 Exemplare ihrer Schrift.
„Schriftlich fragten immer mehr Kunden an, ob ich ihnen nicht auch Artikel besorgen könne, die es vor dem Krieg einmal gegeben hatte, also Kondome und Aufklärungsbücher wie van de Veldes Die vollkommene Ehe oder Liebe ohne Furcht … Wie die Jungfrau zum Kinde war ich zu meinem Gewerbe gekommen.“
Sie nahm denn auch Aufklärungsbücher und Kondome in das Sortiment ihrer neu gegründeten Firma auf. „Ich existierte von der Hand in den Mund. Immer dann, wenn ein bisschen Geld in der Kasse war, ließ ich neues Werbematerial drucken, schrieb aus Telefonbüchern, die ich besorgte, Adressen ab und verschickte meine Werbebriefe. Bei Großhändlern bestellte ich, was die Kunden bei mir anforderten.“ Ihr neuer Partner half kräftig mit: „Er erzählte mir von der schrecklichen Zeit seiner russischen Gefangenschaft. Um nicht verrückt zu werden, hatte er all seine Gedanken auf ein einziges Thema konzentriert: In seinem Kopf hatte er ein Versandgeschäft gegründet und geführt.“ Zwar hatte er keinen Erotikversand geplant, sondern einen für Haarwasser, aber die Pläne kamen jetzt der neuen Firma zugute.

 

Der Professor und die Broschüre mit „schweinischem Inhalt“

Damals war alles, was mit Sexualität zu tun hatte, freilich noch hochgradig tabuisiert. Sie hatte schon bald ihre erste Vorladung bei der Polizei: „Sie haben am 25. Mai dem Professor Sowieso unaufgefordert eine Broschüre mit schweinischem Inhalt zugeschickt. Warum?“ Eines Tages standen drei Polizisten vor ihrer Tür und notierten die Adressen von 72 Kunden, die Kondome bestellt hatten. Prompt erfolgte die Anklage. Die Begründung…..

Dies ist nur ein Auszug aus dem aktuellen ERFOLG Printmagazin.

 

 

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Zum Autor

Dr. Dr. Rainer Zitelmann
ist ein erfolgreicher Immobilieninvestor und mehrfacher Buchautor

 

 

 

Bilder: Beathe Uhse AG, Zitelmann.

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