Klippensprung Erfolg

Warum Risikobereitschaft eine der wichtigsten Eigenschaften ist

Was der Einzelne als wichtigste menschliche Eigenschaft betrachtet, unterscheidet sich je nach individueller Lebenssituation. Wer allerdings beruflich und privat ferne Ziele erreichen will, braucht dazu ein gewisses Maß an Risikobereitschaft. Doch welche Fähigkeiten gehören zum Bewältigen riskanter Vorhaben dazu?

Abbildung 1: Nur wer die eigene Komfortzone verlässt, kann dauerhaft wachsen.

Das Problem mit der Komfortzone

Jeder kennt das: Die Tage tröpfeln so dahin und die eingefahrenen Bahnen werden nicht verlassen. Stets dieselbe Arbeitsroutine, dasselbe Freizeitprogramm, dieselbe Ernährungsweise – was der Mensch gewohnt ist, gibt ihm Sicherheit. Doch die sogenannte Komfortzone, die sich aus den alltäglichen Gewohnheiten bildet, ist nicht nur förderlich für Erfolg und Lebensglück. Was ist das Problem?

Was ist die Komfortzone eigentlich?

Unter „Komfortzone“ verstehen Psychologen und Coaches die Verhaltensmuster eines Menschen, die ihm durch Gewohnheiten leichtfallen. In diesem Gebiet entstehen Sicherheit und Souveränität. Dabei betrifft die individuelle Komfortzone nicht nur alltägliche Rituale, sondern auch ein bekanntes soziales Umfeld und geläufige Strukturen der Umwelt. Sei es im privaten Bereich oder im Beruf – die eigene Komfortzone ermöglicht, Abläufe routiniert und selbstbewusst zu erledigen. Dabei kann die Dimension der betreffenden Zone je nach Individuum ganz unterschiedlich aussehen: Manch einer bewegt sich sicher als Geschäftsführer eines globalen Unternehmens, ein anderer ist Herzchirurg und wieder andere liefern Pakete aus – der persönliche Komfort liegt in genau jenem Feld, das der einzelne schon lange bespielt und gewohnt ist.

Welche Zonen gibt es noch?

  • Die Komfortzone hat den größten Wohlfühl-Effekt und erfordert in ihren Anforderungen die geringste Anstrengung. Wer allerdings immer in ihr verweilt, hat keine Chance, mit Veränderungen neue Level des Erfolgs und der Persönlichkeitsentwicklung zu erreichen.
  • Die Wachstumszone liegt jenseits der Grenzen des individuellen Komforts. Sie erreicht jeder, der es wagt, über seine intellektuellen, praktischen oder sozialen Grenzen hinauszugehen. Hier wird das Handeln zunehmend anstrengender und schwieriger – auch Angstgefühle und ein erhöhtes Stresslevel sind die Regel. Doch nach anfänglichen Fehlern und Rückschlägen ermöglicht die Wachstumszone, wie der Name bereits verrät, eine spürbare persönliche Weiterentwicklung.
  • Die Panikzone erreicht, wer sich in der Wachstumszone zu schnell und zu weit vorwagt. Hier werden Ängste und Unsicherheit so groß, dass ein rationales Handeln beinahe unmöglich erscheint. Erfolge in der Panikzone sind daher selten, auch weil die selbstgesteckten Ziele hier in der Regel zu ambitioniert gewählt sind. Wer in der Panikzone scheitert, hat die Tendenz, sich anschließend wieder in seiner Komfortzone einzuigeln. Daher sollte jeder, der Erfolg haben will, sensibel die Grenzen seiner Panikzone respektieren.

Komfortzone verlassen und dabei wachsen

Die Grenzen der Komfortzone lassen sich nur verschieben, indem man sie aktiv ausdehnt. Das funktioniert nur durch Überschreiten der Grenzen und den längeren Aufenthalt in der Wachstumszone. Irgendwann adaptieren wir dann deren erhöhte Ansprüche in unsere Normalität und haben einen Meilenstein der persönlichen Entwicklung erreicht. Praktisch funktioniert das folgendermaßen:

  1. Sich ein Beispiel an Kindern nehmen

Kinder sind das beste Beispiel für das Wachstum durch Verlassen der Komfortzone. Immerhin haben sie häufig Angst vor dem Unbekannten, bevor sie Radfahren, Schwimmen oder Reiten lernen. Doch indem die Neugier und der Zuspruch von außen sie antreiben, erreichen sie in ihrer Wachstumszone relativ schnelle Erfolge. Auf die sie wiederum weitere Stufen aufbauen. Viele Erwachsene erstarren hingegen in ihrem Alltag und schrecken vor neuen Anforderungen zurück. Eigentlich paradox – denn das menschliche Gehirn ist erwiesenermaßen auf ein lebenslanges Lernen ausgelegt. Wer sich das bewusst macht, überwindet sich schneller zu Experimenten außerhalb der Komfortzone.

  1. Das limbische System durchschauen

Die Amygdala ist der Teil unseres Gehirns, der Gefahren wahrnimmt und durch Alarmsignale anzeigt. Sie warnte in archaischen Zeiten vor wilden Tieren am Rande des Blickfelds und reagiert heutzutage sensibel auf ein Stirnrunzeln des Chefs und rote Zahlen auf dem Konto. Allerdings ist sie dabei so überempfindlich justiert, dass sie oft Bedrohungen sieht, wo eigentlich keine lauern. In der Wildnis kann das durchaus lebensrettend sein – in der Zivilisation hemmt der übervorsichtige Gehirnteil dagegen viele Menschen, ihre gewohnten Bahnen zu verlassen und etwas zu wagen.

  1. Impulse kontrollieren

Im berühmten Marshmallow-Test sollten Kinder eine Belohnung ablehnen, um auf die doppelte Belohnungsmenge eine Zeit lang zu warten. Diese Übung fällt Vorschulkindern nicht leicht. Doch auch im Erwachsenenalter haben viele Menschen Probleme damit, Unangenehmes zu ertragen, um einem größeren Erfolg eine Chance zu geben. Das kann sich auf einen intensiveren Arbeitseinsatz oder finanzielle Investitionen beziehen. Wer die Wachstumszone meistern will, darf weder impulsiv nach kleinen Belohnungen verlangen, noch reflexhaft vor jeder Anstrengung zurückschrecken.

Wachstum und Entscheidungsfreude bedeutet dabei jedoch auch, stets klug zu handeln. Also Handlungen um des Handelns Willen sind nicht der richtige Weg. Ein gutes Beispiel stellen in diesem Zusammenhang finanzielle Schwierigkeiten dar. Oft wird bei akuten Finanzproblemen aktionistisch nach irgendeiner Lösung gesucht, anstatt die Möglichkeiten abzuwägen und dann überlegt zu entscheiden. So kann ein Vergleich von Expresskrediten beispielsweise die deutlich bessere Lösung sein als die Nutzung des erstbesten und bequemsten Angebots. Dieses ist mitunter deutlich teurer und wirkt bis in die weitere Zukunft belastend.

Unternehmertum hat immer etwas mit Risikobereitschaft zu tun

Jeder Unternehmer verlässt ausgetretene Pfade und begibt sich ins Ungewisse. Denn die Basis eines jeden Start-Ups bildet eine Produkt- oder Dienstleistungsidee, die auf irgendeine Weise innovativ ist. Damit fehlen jedoch die Erfahrungswerte, wie die adressierte Zielgruppe sie annimmt und wie schnell der Erfolg sich einstellen wird. Eine gut bemessene Risikobereitschaft wird damit zum essenziellen Merkmal erfolgreicher Unternehmer:

  1. Notwendige Risiken eingehen

Nur wer unternehmerische Risiken eingeht, erhält auch die Chance sich mit einem Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt zu positionieren. Dabei können sich Unternehmensführer zwar auf Daten aus der Marktforschung oder dem Controlling stützen – stehen jedoch in letzter Konsequenz allein mit der Entscheidung da. In dieser Situation hilft nur das richtige Bauchgefühl zum angemessenen Risiko.

  1. Nicht zu viel und nicht zu wenig

Eine aktuelle Studie verrät, dass besonders risikofreudige und sehr risikoscheue Selbstständige eher scheitern als Unternehmer, die einen Mittelweg finden. Für die Risiko-Extreme ermittelten Forscher eine Wahrscheinlichkeit von 12,5 Prozent, im Folgejahr aus der Selbstständigkeit auszuscheiden. Bei den gemäßigten Charakteren betrug dieses Risiko lediglich 7,5 Prozent.

Fazit

Wachstum tut weh – so abgedroschen diese Erkenntnis klingt, so viel Wahrheit steckt dahinter. Denn wir Menschen sind genetisch dazu gemacht, das zu schätzen, was wir haben. Nur wer hier den Blick über den Tellerrand wagt und ihm auch Taten folgen lässt, erreicht nach einiger Anstrengung größere Erfolge, als vorab möglich gewesen wären.

Bildquellen: Beitragsbild – depositphotos.com/Photocreo

Abbildung 1: @ Zac Durant / Unsplash.com