Wie viel Miete kann ich mir leisten – Tipps für realistische Einschätzungen

Die Miete verschlingt einen großen Anteil des Einkommens. Vielerorts können sich Mieter moderne Wohnungen nicht mehr leisten. Dennoch wird der finanzielle Spielraum gern überschätzt, was langfristig in einer Schuldenfalle endet. Um einem derartigen Szenario vorzubeugen, braucht es eine realistische Einschätzung des Budgets. Die nachfolgenden Tipps können helfen, eine positive Wohnsituation zu finden, ohne über den eigenen Verhältnissen zu leben.

Wohnen im Neubau ist teuer

Neubauwohnungen sind für viele Durchschnittsverdiener keine Option. Zu hoch sind die Mietkosten. Das ARD Fernsehmagazin Panorama hat eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie viel Prozent vom durchschnittlichen Haushaltseinkommen zum Mieten einer 3-Zimmer Neubauwohnung eingeplant werden müssen. Anteile von über 27 Prozent gelten bereits als problematisch. In Frankfurt liegt der Anteil bei stolzen 40,7 Prozent, in Kiel bei 36,4 Prozent und in Magdeburg immerhin bei 34,1 Prozent. Schuld seien laut Baukostenforscher und Architekt Dietmar Walberg stark steigende Baukosten. Diese haben nach Angaben des Instituts für Deutsche Wirtschaft zwischen 2005 und 2017 um 33 Prozent zugelegt.

Chancen auf günstigen Wohnraum steigern

Sparpotenzial ergibt sich abseits der Neubauten in gut erhaltenen Bestandsgebäuden. Hier lässt es sich ebenfalls gut leben, ohne auf maßgebliche Vorzüge verzichten zu müssen. Die Suche nach gepflegten Objekten zu fairen Preisen bleibt schwierig. Wohnraum wird zunehmend knapp, die Auswahl ist entsprechend begrenzt. Aussichtslos ist die Situation aber nicht. Im Idealfall können sich Wohnungssuchende ohne Zeitdruck ans Recherchieren machen, um etwas Passendes zu finden. Neben unabhängigen Online-Marktplätzen kann sich der Blick auf Internetpräsenzen von Hausverwaltungen lohnen. Eine davon ist Grand City Property (GCP) mit Sitz in Berlin und mehreren Bürostandorten. Das Unternehmen verwaltet deutschlandweit Wohnungen und ermöglicht Interessenten online sowohl nach Wohnungen zu suchen als auch virtuelle Wohnungsbesichtigungen. Anhand der renovierten GCP Mietwohnungen in Bremerhaven und dem dazugehörigen Stadtportrait können sich Wohnungssuchende einen Eindruck über das digitale Angebot verschaffen. Darüber hinaus kann das Veröffentlichen persönlicher Wohnungsgesuche nicht schaden. Ob Aushang in der Nachbarschaft, Anzeigen in Lokalzeitungen oder via Internet.

Die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft ist ebenfalls vielversprechend. Mitglieder haben häufig Zugang zu besonders attraktiven Wohnlagen und profitieren von günstigeren Mieten. Diejenigen, die auf die Innenstadt und gefragte Stadtteile verzichten können, steigern ihre Chancen auf schöne und gleichzeitig bezahlbare Wohnungen markant. Abseits der besten Lagen sind Mieten oft deutlich niedriger und die Verbindungen in Städte dank öffentlicher Verkehrsmittel dennoch hervorragend. Das Eingehen von Kompromissen kann sich dementsprechend auszahlen.

Tipp: In welchen Städten die beste Work-Life-Balance zu erwarten ist, wurde in einer Studie des Karrierenetzwerks Xing und der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu ermittelt. Hier geht´s zum Beitrag im Erfolg Magazin.

Wie viel Miete kann ich mir leisten?

Diese Frage zu stellen, ist bereits ein wichtiger Schritt in Richtung langfristiger Liquidität. Für eine schnelle Orientierung lassen sich verschiedene Faustformeln heranziehen. Einer dieser Regeln zufolge, sollte die monatliche Miete 40 Mal geringer sein als das jährliche Bruttoeinkommen. Bei einem Jahresgehalt von beispielhaften 32.000 Euro würde das Budget für die Miete 800 Euro betragen. Ausgehend von der Empfehlung, die in der Sendung Panorama genannt wird, wäre ein Mietanteil von 27 Prozent des Haushaltseinkommens das akzeptable Maximum. Um beim genannten Beispiel zu bleiben, würde das bei 32.000 Euro jährlichem Einkommen einer Monatsmiete von 720 Euro entsprechen.

Unabhängig von derartigen Faustregeln, dürfen bei der Kalkulation des persönlichen Budgets individuelle Ausgaben nicht vernachlässigt werden. Schließlich ist jeder Haushalt einzigartig und die Finanzen nicht pauschalisierbar. Um zu verhindern, unwissentlich über die Verhältnisse zu leben und in eine Schuldenfalle zu tappen, müssen die monatlichen Kosten akribisch aufgeschlüsselt und vom Einkommen (netto!) subtrahiert werden. Eine derartige Berechnung der monatlichen Ein- und Ausgaben könnte folgendermaßen aussehen:

Netto-Einkommen 2.000 Euro
abzgl. Lebensmittel –          200 Euro
abzgl. Telefon, Mobilfunk, Internet –          60 Euro
abzgl. Kfz-Kosten (Treibstoff, Versicherungen, Steuer) –          150 Euro
abzgl. Strom –          100 Euro
abzgl. diverse Versicherungen –          250 Euro
abzgl. Bildung von Rücklagen –          50 Euro
abzgl. Ausgaben für Freizeitaktivitäten / Kleidung etc. –          100 Euro
Restbetrag für Miete / Wohnen = 1.090 Euro

Aber auch diese Tabelle dient lediglich als Orientierung. Zu den aufgeführten Kosten könnten unter anderem Ausgaben für Vereinsmitgliedschaften, Abonnements, Kreditkarten, Haustiere und viele andere Dinge hinzukommen. Auch Reisekosten sind in der Kalkulation nicht berücksichtigt. Soll der aktuelle Lebensstil beibehalten werden, ist deshalb kritisch zu prüfen, welche Beträge monatlich als Puffer zurückgelegt werden müssten. Eine eiserne Reserve von mehreren Netto-Monatseinkommen sollte nicht für wiederkehrende Ausgaben genutzt werden, sondern ausschließlich für unvorhergesehene finanzielle Belastungen wie defekte Haushaltsgeräte oder Autoreparaturen. Ist ausreichend Erspartes vorhanden, wäre die Liquidität auch dann sichergestellt, wenn es zu Einkommenseinbußen kommt. Zumindest vorübergehend. Generell gilt: je sorgfältiger die monatlichen Ein- und Ausgaben geprüft werden, desto präziser lässt sich feststellen, welche Mietkosten tatsächlich im Budget liegen.

Tipp: Um als Mieter auch hinsichtlich potenzieller Mieterhöhungen, Nebenkosten und Betriebskosten gut informiert zu sein, ist das Buch „Was ich als Mieter wissen muss“ der Verbraucherzentrale empfehlenswert. Der Ratgeber ist online kostenpflichtig bestellbar.

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